Bunte Worte Writing – Ein erster Versuch

Einen wunderschönen guten Abend,

vor einigen Tagen hatte ich euch gefragt, ob ihr gerne auch mal die Kurzgeschichte lesen möchtet, die im Zuge eines Schreiblehrganges geschrieben habe und die später ausgewählt wurde, um sie in einer Anthologie zu veröffentlichen.

Ich schreibe gerne und das auch schon seit ich klein bin. Wirklich angefangen Geschichten zu schreiben habe ich mit 12. Seitdem häufen sich die Geschichten in meinem Regal. Ob ich ernsthaft anfangen möchte zu schreiben? Ich glaube nicht, ich weiß auch gar nicht, ob ich das Zeug dazu habe, aber es macht mir unglaublich viel Spaß Ideen aufzuschreiben und neue Geschichten zu erfinden.

Die Aufgabe, die damals zu dieser Kurzgeschichte geführt hat, war übrigens „die Farbe blau“. Viel Spaß beim Lesen.

Blaue Socken

„Blaue Socken? Seit wann, zur Hölle, stehst du auf blaue Socken?“

Wäre ich nicht so furchtbar wütend, wäre Hannos Gesicht einfach nur zum Lachen. Auf seiner Stirn hat sich diese tiefe Furche gebildet, die immer auftaucht, wenn er gar nichts mehr versteht. Doch noch bevor er den Mund öffnen kann, um nachzufragen, was denn überhaupt los sei, habe ich die Socke vom Boden aufgehoben und halte sie ihm unter die Nase.

Er weicht einen Schritt zurück und schaut angewidert.

„Regst du dich neuerdings darüber auf, wenn ich nicht sofort meine Wäsche in den Korb werfe? Ich dachte. über dieses Stadium wären wir hinweg.

Mit einem schrillen Lachen schleudere ich ihm die Socke ins Gesicht und verlasse das Schlafzimmer. In der Küche gieße ich mir eine Tasse Kaffee ein und schütte direkt einen großen Schluck Amaretto hinterher.

Mit lauten Schritten poltert Hanno hinterher in die Küche. „Kannst du mir jetzt bitte mal erklären, was dieses alberne Affentheater hier soll?“ Sonst regst du dich ja auch nicht auf, wenn meine Socken im Schlafzimmer liegen.“

Ich nehme einen tiefen Schluck und schaue ihm direkt ins Gesicht. „Das ist nicht deine Socke.“

Die tiefe Furche ist wieder da. „Wie bitte?“

„Das ist nicht deine Socke.“ Ich nehme noch einen Schluck.

„Kannst du mir dann mal erklären, was hier eigentlich los ist? Rastet du jetzt aus, weil du deine eigenen Socken rumliegen lässt?“

„Ich trage keinen blauen Socken. Ich hasse blaue Socken, sie sehen immer scheiße aus zu Jeans. Also trage ich sie nicht.“

Blitzartig verschwindet die tiefe Furche, dafür werden seine Augen immer größer und aus seinen Lippen verschwindet alle Farbe, so sehr presst er sie aufeinander. Kraftlos lässt er sich auf den zweiten Küchenstuhl fallen.

„Das arme Mädchen, das nun im Herbst barfuß laufen muss.“

Hanno starrt, noch immer mit großen Augen, auf den Kühlschrank.

„Ich wollte nicht…“, fängt er an, aber bricht direkt wieder ab.

Meine Tasse ist leer und ich stehe auf. Dieses Mal spare ich mir den Kaffee und trinke Amaretto pur. Nach zwei Schlucken wird mir schlecht. Viel zu süß für diese Situation.

„Seit wann?“

Hanno wird noch blasser. „Drei Wochen.“

Die Tasse fällt auf den Boen und zerbricht in klitzekleine Scherben. Der Amaretto wird fürchterlich kleben auf den Fliesen.

„Warum?“

Hanno zuckt mit den Schultern.

Das hatte ich mir gedacht. Er hat keine Antworten. Langsam stehe ich auf und gehe ins Schlafzimmer. Aus dem Schrank hole ich meinen Koffer und packe. Er steht in der Tür und schaut mir zu. „Du musst doch nicht gehen.“ Seine Stimme ist so leise, dass ich sie kaum höre. Er weiß selber, dass alles was er sagt, die Situation noch schlimmer macht. Mit einem lauten Klicken schließe ich die Schnallen des Koffers.

„Es tut mir leid.“ Die Stimme ist noch leiser geworden.

Ich nehme meinen Koffer und verlasse die Wohnung. Der Himmel hat die gleiche Farbe wie die blaue Socke und ich habe die Farbe Blau noch nie so sehr gehasst. Der Wind der mich umgibt, ist warm aber kräftig. Für einen Moment bleibe ich stehen und lasse ihn mein Haar zerzausen. Warum stehe ich hier mit einem Koffer in der Hand? Ich habe doch nichts getan!

Absichtlich lasse ich die Wohnungstür mit einem lauten Knall zufallen. Hanno steht in der Küche und fegt die Scherben meiner Kaffeetasse zusammen.

„Es tut mir leid.“ Seine Stimme ist wieder lauter geworden. Er klingt viel zu normal.

„Was genau tut dir denn leid?“ Ich will es von ihm hören. In allen Einzelheiten.

„Muss das denn wirklich sein?“ Sein Gesicht schwankt zwischen gequält und genervt.

Ich nicke, lasse mich betont gelassen auf den Küchenstuhl sinken und schaue ihn fragend an. Mit Schwung befördert Hanno die Scherben in den Mülleimer und setzt sich mir gegenüber.

„Ich habe Mist gebaut und ich entschuldige mich dafür. Reicht das denn nicht?“

„Nein.“

Hannos Gesichtsausdruck wechselt jetzt definitiv zu genervt. Ich schaue ihn weiter einfach nur an.

„Verdammte Scheiße, Anna. Ja, ich habe mit einer anderen Frau geschlafen. Ich hab es nicht geplant und es tut mir wirklich leid. Bist du jetzt zufrieden?“

Ich nicke, stehe auf und gehe wieder ins Schlafzimmer. Als Hanno hinter mir das Zimmer betritt, habe ich den Koffer bereits ausgekippt und statt meiner, seine Klamotten hineingeworfen. Ich drücke ihm den Koffer in die Hand.

„Meld dich, wenn du rausgefunden hast, warum du auf einmal Frauen mit blauen Socken magst!“, sage ich und schließe die Wohnungstür hinter ihm.

(Hier das Cover der Anthologie, in der die Geschichte veröffentlicht wurde. Es ist das offzielle Cover-Bild von Amazon.de)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü