Dhonielle Clayton „The Belles. Schönheit regiert“ – Wenn Schönheit richtig hässlich wird

Normalerweise bin ich kein Leser, der seine Lektüre nach dem Cover aussucht, aber an dem Cover von „The Belles“ kommt man nun wirklich nicht vorbei – Alexander Kopainski hat sich mit dem Doppelcover selbst übertroffen, es zieht einfach alle Blicke auf sich.

Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich „The Belles“ vorab lesen durfte (vielen Dank an Planet! Thienemann-Esslinger und an die Netzwerk Agentur Bookmark).

In „The Belles“ begleiten wir Camelia, eine Belle – gesegnet mit der magischen Gabe der Schönheit – einzig geboren und ausgebildet um die Menschen des Königreichs Orléans schön zu machen.

Camelias Ausbildung ist gerade beendet und sie tritt ihre Anstellung als Belle an. Doch am Königshaus von Orléans muss sie schnell erkennen, dass Schönheit und Hässlichkeit nicht immer direkt voneinander zu unterscheiden sind. Je mehr Zeit sie am Königshof verbringt, desto mehr zweifelt Camelia an den Grundfesten der Traditionen, nach denen sie erzogen und ausgebildet wurde. Doch sie muss sich entscheiden – kehrt sie zu den Traditionen zurück oder riskiert sie es, ihre eigenen Ansichten durchzusetzen. Noch bevor sie sich ganz sicher ist, wird ihr die Entscheidung abgenommen und das Schicksal der Belles liegt in ihren Händen.

Mit großem Elan habe ich angefangen „The Belles“ zu lesen – und wurde dann leider ziemlich abgebremst. Es fiel mir relativ schwer mich an den sehr pompösen, blumigen und bunten Schreibstil zu gewöhnen. Jedes noch so winzige Detail wurde in allen Farben und Formen beschrieben, was das Erzähltempo zu Beginn sehr gedrosselt hat. Mein größtes Problem mit dem Schreibstil am Anfang ist jedoch die Tatsache, dass die Welt zwar ganz genau beschrieben, aber leider nicht erklärt wird.

Das klingt jetzt sehr negativ und ich habe auch erst überlegt die Rezension so zu beginnen, aber wo sollte man sonst anfangen, als am Anfang? Noch dazu ist Schreibstil immer eine sehr subjektive Angelegenheit – ich habe auch schon einige Lobeshymnen auf den Schreibstil gelesen.

Tatsächlich ändert sich der Stil auch im Laufe der Geschichte. Vor allem die Dialoge sorgen dafür, dass die Handlung Fahrt aufnimmt – sie sind dynamisch, stimmungsvoll und auf den Punkt gebracht. In den Dialogen kommen auch die Charakterzüge der Figuren gut zur Geltung, die in den beschreibenden Teilen leider auch zu kurz kommen. Camelia als Protagonistin ist nicht wirklich greifbar, es fällt mir schwer eine Aussage darüber zu treffen, ob ich sie als Hauptfigur mag oder nicht – ihre Position kann man gut begreifen, ihr Verhalten nicht immer.

Wenn ich allerdings von Beginn an nicht leiden konnte, war Prinzessin Sophia, die auch absolut keinen Hehl daraus macht, dass sie die einzige Person ist, die für sie zählt. Da Camelia aber leider nicht im kompletten Gegensatz dargestellt wird, kommt diese Gegenüberstellung von „gut und böse“ nicht wirklich gut zur Geltung. Ich glaube allerdings, dass eine klare „schwarz-weiß“-Struktur hier der Handlung geholfen hätte, denn so erscheint Camelia immer wieder wie eine Fahne im Wind, die nur zwischendurch kleine Funken der Revolution zulässt.

Und Revolution ist ja eigentlich das, auf dass wir alle gehofft haben – der Klappentext setzt ja auch Impulse in diese Richtung. Man muss lange durchhalten, aber am Ende erfolgt dann doch noch ein Knall und das Ende zeigt endlich das, was ich die ganze Zeit erwartet habe. Und ja – bei all den negativen Aspekten in Teil – nach dem Ende habe ich mir direkt Teil 2 auf Englisch vorbestellt, denn jetzt will ich wirklich wissen, wie die Geschichte weitergeht!

Was soll ich sagen? Bei „The Belles“ hatte ich auf eine Geschichte gehofft, die „Selection“ und „The Hunger Games“ miteinander verwebt und dem ganzen noch einen schönen Schleier aufsetzt. Ich habe auf starke Frauen gehofft, aufregende Welten und eine schockierende Dystopie. Letzteres habe ich bekommen – denn die Grausamkeit, die hinter der Schönheit steckt, sucht wirklich Seinesgleichen, aber vor allem die starke, revolutionäre Protagonistin habe ich vermisst (ehrlich gesagt, habe ich immer gehofft, dass Katniss irgendwo aus dem Gebüsch auftaucht und Camelia mal kräftig in den Hintern tritt).

ABER – es gibt Hoffnung auf diese starke Protagonistin und auch auf die Revolution und deswegen freue ich mich trotz allem auf Teil 2, denn die Idee hinter „The Belles“ ist, in meinen Augen, wirklich stark und ich hoffe wirklich, dass im zweiten Teil der Dilogie richtig Fahrt aufgenommen wird und mich dort das Lesevergnügen erwartet, das ich auch bei Teil 1 schon erwartet hatte.

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