Questions, Quotes und Quatschen: Reden ist silber, schweigen ist gold

Einen wunderschönen guten Abend,

in den letzten Tagen und Wochen habe ich tatsächlich mehr geschwiegen als zu reden und das hatte unterschiedliche Gründe. Einer davon bezieht sich allerdings auf eine Thematik, die auf Bookstagram und verschiedenen anderen Kanälen sehr für Unmut sorgte und mich extrem verunsichert hat. Deswegen habe ich mich tatsächlich fürs Schweigen statt fürs Reden entschieden und das war für mich auch der vollkommen richtige Weg. So hatte ich Zeit all meine Gedanken zu sammeln und verschiedene Gespräche hinter den Kulissen zu führen, damit ich jetzt alles geordnet aufschreiben kann.

Wahrscheinlich haben es einige schon geahnt – es geht um die Diskussion „Own Voice“- Autoren und Sensitive Reading. Ich verfolge die unterschiedlichsten Sichtweisen bereits seit dem Erscheinen des Buches „Someone New“, auch wenn es da anfangs vor allem auch um die Frage ging, ob man ein Buch nicht mögen darf, obwohl es wichtige Themen beinhaltet. Dazu hatte ich ja bereits einmal einen Beitrag geschrieben.

Im Laufe der Wochen und aufgrund einiger anderer Bucherscheinungen driftete das Thema verstärkt in eine Richtung, die ich ehrlich gesagt nicht gut zuordnen konnte.  Das ist auch der Grund, warum ich mich öffentlich eigentlich nicht dazu zu Wort gemeldet hatte.

Quelle: www.pixabay.com

 

Lesen eröffnet mir Welten, die nicht meine eigenen sind. Und das bezieht sich nicht einmal nur auf Fantasy- oder Science-Fiction-Literatur, sondern eigentlich auf alle Geschichten, die geschrieben werden. Ich werde selten eine Geschichte finden, die haargenau mein eigenes Leben beschreibt. Natürlich kann ich in jeder Geschichte Identifiktationspunkte finden, deswegen kann ja auch jedes Buch ein wichtiges Buch sein, aber dennoch ist ein Buch erst einmal eine, mir fremde Geschichte.

In dem ich mich auf die Geschichte einlasse, lerne ich verschiedene Figuren kennen, verschiedene Charakterzüge, verschiedene Lebensstile. Ich erlebe schöne Dinge mit den Protagonisten und weniger schöne, manchmal sogar durchdringend schlechte Erlebnisse. Einige Dinge kann ich nachvollziehen, andere erschrecken mich oder lassen mich von ihnen träumen. All das können Geschichten mit mir anrichten.

Und das ist jetzt die ganz subjektive Art und Weise, wie ich an Geschichten herangehe. Ich kann mit den Figuren mitfühlen, mich mit ihnen freuen, mit ihnen weinen, mich mit ihnen fürchten – wenn die Geschichte gut geschrieben ist. Denn auch da bin ich ehrlich, komme ich mit der Art und Weise wie eine Geschichte geschrieben ist nicht zurecht, dann lese ich sie auch nicht, egal wie sehr andere davon schwärmen, oder wie wichtig andere diese Geschichte finden.

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Über Geschichten nachzudenken ist ehrlich gesagt, eine meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen, hat mir eine Geschichte wirklich gut gefallen, dann denke ich viel und lange darüber nach. (Über Harry Potter grübele ich seit über 20 Jahren). Für mich ist das eine meiner liebsten Aspekte am Lesen – denn sie sagt mir, dass eine Geschichte, nicht bloß eine ausgedachte Idee ist, sondern eine Idee, die ein Autor/ eine Autorin mit Leben gefüllt hat und die mein Leben bereichert.

Worüber ich mir allerdings tatsächlich nur in den allerseltensten Fällen Gedanken mache ist der Autor. Das meine ich nicht negativ, sondern für mich (!) ist es folgendermaßen – ich als Leser konsumiere die Geschichte, ich erfreue mich an ihr. Wenn der Autor gute Arbeit geleistet hat, erfreue ich mich umso mehr. Wer die Person ist, die das Buch schreibt ist für mich aber nicht relevant. Wenn ein Autor eine Liebesgeschichte schreibt, interessiert es mich nicht, sein eigenes Liebesleben zu kennen. Ich habe kein Interesse daran, Pseudonyme zu entschlüsseln und es ist mir auch egal, welche Hautfarbe ein Schriftsteller hat.

Kann ich mich in der Geschichte Zuhause fühlen, dann bin ich zufrieden mit der Geschichte. Gefällt mir eine Geschichte nicht, dann sage ich das, auch wenn der Autor vielleicht zu sämtlichen Randgruppen gehört, die es gibt.

Das in Worte zu fassen, die man nachvollziehen kann ist schwierig und deswegen sitze ich hier auch schon lange dran.

Als die Diskussion um „Own Voice“ und „Sensitive Reading“ aufkam war ich dann vollends verwirrt und geschockt. Da griffen sich Personen an und zwar auf einer Ebene, die sich mir einfach nicht erklärt. Es bildeten sich Lager und regelrechte Fronten hinter denen scharf geschossen wurde. Öffentlich wollte ich mich an dieser Diskussion nicht beteiligen, ich schrieb aber einen der Diskussionsteilnehmer direkt an und ich gestehe, nach diesem Gespräch war ich auch auf Krawall gebürstet. Hätte ich in diesem Moment den Mund aufgemacht, es wäre kein sehr netter Beitrag dabei herausgekommen.

Ich habe mich gottseidank für schweigen entschieden und bin mit dieser Entscheidung sehr zufrieden. Nach einigen Tagen, in denen die Diskussion immer hitziger wurde, habe ich noch einmal das Gespräch gesucht. Wir werden nicht einer Meinung sein, aber nach all den Aussagen, die ich verfolgt habe, kann ich verstehen, dass es für diese Person die einzig richtige Art und Weise ist zu kämpfen. Und noch viel wichtiger – ich kann seinen Grund verstehen, muss aber die Art und Weise nicht mögen. Nachdem wir diesen Konsens gefunden hatten, war auch das Gespräch viel einfacher nötig.

Um es noch einmal in meinen Worten zu sagen – ich finde es gut, dass die „Own Voice“- Bewegung immer stärker wird, ganz egal um welchen Bereich (Sexualität, Religion, Mental Health, …) es hier geht. Ich stärke gerne Own Voice Autoren, wenn mir ihre Geschichten gefallen, nicht zum Mittel als Zweck. Hast du eine reale Geschichte zu erzählen, dann tu es – ich werde immer zuhören. Willst du eine fiktionale Geschichte über deine Own Voice Situation schreiben, dann musst du die Leser entscheiden lassen, ob es eine gute Geschichte ist. Denn genau deswegen weigere ich mich oft, genauere Informationen über Autoren einzuholen – ich will eine Geschichte nicht aus Mitgefühl mögen, ich will eine Geschichte der Geschichte wegen mögen.

Und da muss jedem Menschen die Chance gegeben werden, seine Idee aufzuschreiben und dabei ist es dann ganz egal, ob ein Heterosexueller Gay Romance schreibt, oder ein Mann aus der Sicht einer Frau, oder ein Weißer über einen schwarzen Charakter, oder oder oder. Ob eine Geschichte gut oder schlecht ist, entscheidet der Leser.

Ob ich die Person mag, die die Bücher geschrieben hat, ist eine ganz andere Sache.

ALSO – ich bin definitiv für Own Voice – Geschichten wie von Adam Silvera, Julie Murphie, Angie Thomas,… aber wir müssen keinen Kreuzzug dafür führen.

 

Pusht die Geschichten, die ihr liebt, die euch etwas bedeuten, in denen ihr euch wiederfindet!

 

Und denkt daran:

Quelle: www.pixabay.com

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