Die Schattenseiten der Liebe – toxic relationships

Einen wunderschönen guten Tag,

bei uns ist heute Feiertag und als die liebe Shani von Between two chapters mich gefragt hat, ob ich nicht auch einen Beitrag zum Thema „toxic relationships“ verfassen möchte, habe ich direkt zugestimmt. Es passt ja auch gut in die Woche über Liebesgeschichten.

Was sind denn eigentlich „toxic relationships“? Und bevor ich euch irgendeinen Unsinn erzähle, habe ich den Begriff natürlich erst einmal gegoogelt und laut www.healthcopemag.com bedeutet es folgendes:

„By definiton, a toxic relationship is a relationship characterized  by behaviours on the part of the toxic partner that are emotionally and, not infrequently, physically damaging to their partner. … Keep in mind  that it takes two individuals to have a toxic relationship.“

Toxic relationships oder auch ungesunde Beziehungen definieren sich also dadurch, das ein Partner über längere Sicht psychisch – und oft auch physisch – „vergiftet“ wird. Dies ist ein Sachbestand, den ich grundsätzlich als alarmierend ansehe und im realen Leben auch direkt thematisieren würde, wenn Freunde/ Freundinnen in meinen Augen davon betroffen sind. (Das ist tatsächlich nicht nur so daher gesagt, bereits in meiner Jugend habe ich mit einer sehr guten Freundin ewige Gespräche darüber geführt.)

Hier soll es aber jetzt natürlich um „toxic relationships“ in Büchern gehen. Und tatsächlich finde ich es durchaus schwierig darüber sprechen, eben weil es ein sehr wichtiges Thema ist, bei dem man so unglaublich viel falsch machen kann. Ein Thema, angefüllt mit Triggern, mit Diskussionen, aber auch mit schwarz-weiß Denken.

Ich möchte kurz erklären, was ich mit schwarz-weiß Denken meine, denn ich glaube, dass es eine Aussage ist, die zu Verstimmungen führen kann. Ich lese schon seit Ewigkeiten unglaublich gerne Thriller, diese sind neben den Verbrechen auch angehäuft mit toxischen Beziehungen. Egal, ob sie mit dem Verbrechen in der Geschichte in Relation stehen oder nicht, beschwert sich so gut wie nie jemand öffentlich über diese Art von Beziehungen in Büchern, die sich grundsätzlich mit etwas Bösem beschäftigen. Auch wenn der ermittelnde Kommissar eine toxische Beziehung mit seiner Frau führt und dies ein Handlungsstrang ist, der mit dem eigentlich Fall nichts zu tun hat, wird das wirklich selten bemängelt, auch wenn es vielleicht trotzdem viel Handlung einnimmt. Woran liegt das? Das man grundsätzlich nichts Gutes in einem Thriller erwartet? Dass das Böse dort so permanent vorhanden ist, dass man eine ungesunde Beziehung gar nicht als böse ansieht? Oder wird einfach nur deswegen nicht darüber gesprochen, weil es nun mal ein Thriller ist und kein Buch aus dem Genre Romance, New Adult oder Young Adult?

Gleiches gilt für Historische Romane – schlechte Beziehungen wohin man nur blickt, aber abgesegnet mit der Aussage „In der Zeit war es nun einmal so“?

Diskutiert wird über die Darstellung von toxischen Beziehungen tatsächlich nur im Bereich von Liebesgeschichten an sich – und da vor allem bei Geschichten, die sich an das jüngere Publikum wenden.

Versteht mich nicht falsch – ich will eine Diskussion über toxische Beziehungen! Ich will aufklären, helfen, unterstützen. Das alles finde ich unglaublich wichtig und dennoch finde ich es absolut legitim auch über diese Art von Beziehungen in Büchern für Jugendliche zu berichten.

Kommt in einem Jugendbuch eine Beziehung vor, in dem das Mädchen unter dem Jungen leiden muss, dann ist das als Inhalt eines Buches ok. Allerdings muss man dann wirklich in die Diskussion gehen. Man muss darüber sprechen, wie die Jugendlichen diese Beziehung empfinden, man muss ihnen Anregungen geben, mit diesem Thema umzugeben – man muss einfach an ihrer Seite stehen.

In den Rezensionen zu „Das Reich der sieben Höfe“, „Save Me“ und vielen anderen Büchern aus dem Young Adult, und vor allem dem New Adult- Genre liest man immer wieder von toxischen Beziehungen und das ein Buch für junge Leser nicht der richtige Ort ist für diese Art von „Liebe“.

Das sehe ich nicht so, denn eigentlich ist es genau der richtige Ort, um toxische Liebesbeziehungen zu thematisieren, wir müssen nur gleichzeitig auch einen Ort schaffen, an dem man sachlich, offen und mutig darüber diskutieren kann.

Natürlich kann ich es kritisieren, dass ein Buch eine ungesunde Beziehung darstellt, aber warum nehme ich das dann nicht zum Anlass, darüber aufzuklären? Natürlich sollen und müssen wir darüber reden – aber grundsätzlich die Anwesenheit von ungesunden Beziehungen zu kritisieren wird uns – und vor allem unserer Jugend -nicht dabei helfen, eine ungesunde Beziehung als solche zu erkennen und dagegen zu kämpfen.

Nur weil Leser jung sind, heißt das nicht, dass sie nicht in der Lage sind, problematische Beziehungen zu erkennen. Das Geheimnis liegt in meinen Augen darin, dass man über die Geschichten redet, die die Jugendlichen redet!

Wir sollten alle mehr Vertrauen in die Jugend haben und vor allem sollten wir ihnen mehr zuhören und mit ihnen reden – dann ist es absolut kein Problem auch in Büchern aus dem Young Adult-Genre problematische Themen anzusprechen!

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich finde es richtig dass man darüber redet. Wenn man solche Dinge tot schweigt, dann wird es nichts. Gleichzeitig sollte man es thematisieren im Sinne von „ja es war in der Zeit so – aber warum ließen Frauen / Männer das zu?“.
    In Das Reich der sieben Höfe , so Empfand ich es, war Tamlin das Gift für Feyre und das wird deutlich gezeigt. Natürlich wurde gleichzeitig gezeigt daß Feyre Rache nimmt darauf hin – was man wiederum nicht beibtingen sollte (da sehe ich aber differenziert das dies zur Geschichte gehört und da hin muss ..was nicht heißt das es richtig ist )
    Ich denke es ist wichtig auch gute Beispiele zu zeigen , Bücher die einem sagen: das ist eine toxische Beziehung , so befreist du dich. usw.
    Aber ich denke genauso : junge Leser sind durchaus in der Lage zu sagen „wait. Hold on, das ist aber keine gute Beziehung! So sollte es in real nicht laufen!“ 🙂

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