Ich muss da mal was loswerden…

Einen wunderschönen guten Abend.

Eigentlich wollte ich euch heute Abend den riesigen Stapel neuer Bücher zeigen, der sich hier neben mir auftürmt, aber ich muss jetzt erst noch was anderes loswerden, was mich schon einen Großteil des Tages beschäftigt und jetzt nachdem meine Emotionen etwas abgekühlt sind und ich meine höfliche Sprache (größtenteils) wieder gefunden habe, will ich das für euch aufschreiben.

Heute Morgen wurde mir auf Facbook ein Link gezeigt zu einem Buchblogger, der mich direkt ansprach, kaum hatte ich den Post gelesen war ich allerdings ziemlich erschrocken.

Es ging/ geht um Harry Potter und dessen Schöpferin JK Rowling und wie das Verhalten der Autorin bei einigen Lesern dazu führt, dass man das ganze Harry Potter-Universum in Frage stellt. Es wurde darüber gesprochen, dass JK Rowling sich auf ihren Lorbeeren ausruhe, keine Bücher mehr veröffentliche (wie es ihre Pflicht als Autorin wäre) und einfach Geld damit scheffele, dass es unsinniges Merchandise und immer wieder neue Ausgaben der gleichen Bücher gebe. Noch negativer wurde allerdings die Person JK Rowling an sich dargestellt. Sie äußere sich erschreckend über Minderheiten in den sozialen Medien und überhaupt würde im Harry Potter-Universum kaum Raum dafür gegeben Diversitäten darzustellen, so dass alle Welt die Normalität von Homosexuellen, Transgender, etc kennen lernt. Schließlich hat sie ja mal in einem Interview gesagt, dass sie sich Dumbledore immer als schwul vorgestellt hat, der eine sehr konfliktreiche Beziehung mit Gellert Grindelwald hatte. In diesem Blogpost (und auch einem anderen, der ebenfalls genannt wurde) wird bemängelt, dass die Homosexualität Dumbledores nie eine Rolle gespielt hat.

Gerade zu den letzten Aussagen fallen mir eine ganze Menge Phrasen ein, die absolut nicht jugendfreie Wörter beinhalten und deswegen habe ich so lange gewartet, diesen Post zu verfassen.Also…

  1. In sämtlichen Büchern von Harry Potter spielt erwachsenes, sexuelles Interesse keine Rolle – kein Wunder, schließlich handelt es sich um ein Kinder-/ Jugendbuch. Natürlich verlieben sich die Charaktere, aber das Augenmerk liegt immer auf dem Gefühl Liebe. Sei es das ganz normale Verliebt sein der Teenager, die Liebe von Eltern zu ihren Kindern, die Liebe von Eltern zueinander, die Liebe, die Freunde füreinander empfinden, die Liebe, die Dumbledore und McGonagall ihren Schülern zukommen lassen und natürlich auch die unerwiderte Liebe. Ja, es wird geknutscht, aber darüber geht es nicht und deswegen ist es einfach vollkommen egal, welche sexuellen Vorlieben Dumbledore gehabt haben mag. Dass er sehr angetan war von Grindelwald und es ihm schwer viel, sich von seinen Ideologien und damit auch von ihm selbst zu lösen, offenbart er selber am Ende des letzten Teils.
  2. Meiner Ansicht nach wimmelt Harry Potter von Diversität und diese hört nicht bei Hautfarben auf. Ausgrenzungen aufgrund von Merkmalen die unveränderlich sind finden sich in jedem Band. Wenn man jetzt mal wirklich auf die analytische Schiene gehen möchte, würde man einiges finden: zum Beispiel Remus Lupin, der bereits im Kindesalter eine große körperliche Verwandlung durchgemacht hat (wenn natürlich auch nicht freiwillig) und aufgrund dessen von der Gesellschaft gemieden wird.

Ich bin kein Freund davon Bücher bis ins kleinste Detail zu analysieren und ich will auch einfach keine Dinge suchen, die ich nicht mag. Denn genauso fühlte sich der Blogpost an, den ich gelesen habe. Es wurde etwas gesucht um sich aufzuregen und dann wurde auf einen Zug aufgesprungen, der in diese Richtung fuhr.

Ja, ich bin Harry Potter-Fan. Und zwar seit ich 12 Jahre alt bin. Das ist jetzt 20 Jahre her, mich begleiten diese Geschichten schon ein Großteil meines Lebens. Ich gehöre zu der Potter-Generation, die immer wieder Jahre auf einen weiteren Teil warten mussten. Als ich den ersten Band gelesen habe, habe ich noch davon geträumt irgendwann mal zu knutschen. Als der letzte Band auf Englisch erschien, hätte ich eigentlich für eine Matheprüfung an der Universität lernen sollte.

Ich war von Sekunde 1 an und bin immer noch gefangen in diesen Geschichten. Ich liebe sie, ich liebe die Charaktere, ich liebe es wie sie sich entwickeln und und und. Ich besitze alle Bücher in der englischen Ausgabe und mittlerweile (gebraucht dazugekauft) auf wieder eine deutsche Ausgabe, um sie meinen Kindern vorlesen zu können. Ich besitze die Schulbücher (Die Märchen von Beedle dem Barden setze ich auch tatsächlich im Märchenunterricht der Schule ein) und auch die Skripte vom verwunschenen Kind und von Fantastic Beasts. Ja, ich besitze auch die illustrierten Ausgaben. Das wars. Ich betreibe kein Fandom. Ich habe kein Merchandise (oh doch! Mein Mann hat mir einen Kaffeebecher geschenkt), ich treibe mich nicht auf Pottermore rum, ich gehöre nicht zu einem Haus, etc.

Ich liebe schlicht und ergreifend diese Geschichten. Und tatsächlich gehört die Person JK Rowling da nicht zu. Ja, sie hat diese Geschichten erfunden, aber für mich ist eine Geschichte eine Geschichte. Ich recherchiere selten Autoren, ich verfolge nicht täglich was sie twittern, etc.

Und ich plädiere wirklich von ganzem Herzen dafür, dass wir Geschichten auch Geschichten sein lassen. Lasst euch von Geschichten begeistern. Wenn euch eine Geschichte gefällt, dann schreit das in die Welt hinaus. Wenn euch eine Geschichte nicht gefällt, ist das auch ok. Und ja, es dürfen einem auch Geschichten nicht gefallen, die eine wichtige Botschaft beinhalten. Ich traue allen von zu, dass sie eine wichtige Botschaft erkennen und verinnerlichen können. Trotzdem kann es sein, dass einem Sprachstil und Charaktere eines Buches nicht gefallen.

Lest Geschichten! Lasst euch verzaubern! Erschreckt euch! Verliebt euch! Fiebert mit! Liebt das Lesen! Man muss nicht alles analysieren und hinterfragen.

 

Danke fürs Zuhören!

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